Die Fliegenrolle – Aufbau, Unterschiede und Test – 2020

Wer Fliegenfischen möchte, wird nicht an der Fliegenrolle vorbeikommen. Dieser Artikel behandelt die wichtigsten Fragen rund um die Fliegenrolle und gibt Dir Empfehlungen zum Kauf.

Die 6 wichtigsten Kriterien, die beim Kauf einer Fliegenrolle beachtetet werden müssen

Obwohl die Fliegenrolle beim Fliegenfischen oft nur als Schnurspeicher benutzt wird, gibt es einige Feinheiten, die unbedingt beachtet werden müssen. Diese 6 Kriterien sollen Deine offenen Fragen beantworten und Dich anschließend zu Deiner perfekten Fliegenrolle führen.

Schon die richtige Fliegenrute ausgewählt? Hier weiter zu unserem Fliegenruten Ratgeber.

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1. Angelmethode und Zielfisch

Besonders beim Fliegenfischen muss die Angelausrüstung der Angelmethode und dem Zielfisch angepasst sein. Die Fliegenrolle, die Fliegenrute und die Fliegenschnur sollten bestenfalls die selben AFFTA-Klassen aufweisen um ein stimmiges Gesamtbild abzugeben. Oftmals wird der Zielfisch beim Fliegenfischen mit der Hand gedrillt, weshalb die Bremse nur dazu verwendet wird, damit die Rolle beim Schnurabzug nicht überdreht. Bei großen Fischen ist es jedoch nicht möglich, ihn nur mit der Hand zu drillen. Dort wird eine gute und ruckelfreie Bremse zwingend benötigt, um den Fisch bei der Flucht abzubremsen.

Weil beim leichten Fliegenfischen auch mal größere Fische einsteigen können, würde eine fein justierbare Bremse Sinn machen. Ohne die richtig eingestellte Bremse, welche aufs Vorfach angepasst sein sollte, würde das Vorfach beim Drill mit der Hand schnell reißen. Üblicherweise wird sich beim Fliegenfischen am Zielfisch orientiert und daraufhin eine bestimmte AFFTA-Klasse gewählt.

  • AFFTA-Klassen 0-3 werden fürs leichte Angeln auf Weißfisch oder kleine Forellen verwendet
  • AFFTA-Klassen 4-6 werden gerne beim Forellenangeln eingesetzt.
  • AFFTA-Klassen 7-10 werden vor allem von Hechtanglern genutzt. Mit ihnen können auch teilweise Salzwasserfische bezwungen werden. Beim Kauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob die Rolle fürs Salzwasser geeignet ist.
  • AFFTA-Klassen über 10 sind vom Lachsangeln bekannt. Bei schweren Fischen wie Marlin oder Tarpon werden selten kleinere Klassen verwendet.
Greys Gts 800
Die Greys GTS 800 Fliegenrolle eignet sich als 7/8 Klasse verbunden mit einer WF7 Schnur hervorragend zum Hechtangeln. Die Rolle ist jedoch nicht Salzwassertauglich und nur im Süßwasser einsetzbar.

Die Fliegenrollen sind oftmals auch für mehrere Klassen ausgelegt. Zum Beispiel passt auf eine Fliegenrolle mit der AFFTA-Klasse 5/6 eine Fliegenschnur mit der Größe 5 oder auch 6.

2. Größe und Schnurfassung

Die Fliegenrolle dient nicht nur als Schnurspeicher, sondern auch als Kontergewicht. Wird eine zu leichte Rolle genommen, bleibt die Rute kopflastig. Wird hingegen eine zu schwere Rolle genommen, wird die Rute fußlastig weil sich die Rolle hinter der Wurfhand befindet. Eine nicht ausbalanciertes Gerät kann bei längerer Benutzung zu Schmerzen im Handgelenk oder auch der Schulter führen. Wegen dieses Aspekts muss berücksichtigt werden, bei der ganzen Angelrute eine einheitliche AFFTA-Klasse zu wählen.
Grundsätzlich gibt drei verschiedene Ausführungen bei den Kerndurchmessern der Rolle. Die Large Arbor-Fliegenrolle besitzt einen großen Kern- und Außendurchmesser für eine große Schnurkapazität. Durch den großen Kerndurchmesser kann die Schnur schnell eingeholt werden und verkringelt nicht so schnell. Die etwas kleinere Ausführung ist die Mid Arbor-Fliegenrolle mit kleineren Durchmessern als ihr großer Bruder. Die Small Arbor-Fliegenrolle hat nochmals kleinere Durchmesser und durch den kleinen Kerndurchmesser wird der „Memory-Effekt“ der Schnur verstärkt.
Eine Fliegenschnur ist im Schnitt ca. 27 Meter lang und wird durch eine Nachschnur (Backing) verlängert. Bei den Rollen wird die Schnurfassung so angegeben, dass die Schnurklasse, meist als Weight Forward Schnur (z.B. WF3), plus das Backing (oftmals mit einer 20 lbs Tragkraft) aufgeführt werden. Die Länge der Nachschnur hängt vom Zielfisch und der Größe der Rolle ab. Selbst bei kleinen Zielfischen sollten mindestens 50 Meter Backing vorhanden sein. Bei großen Fischen sollten es schon mindestens 100 Meter sein. Mit höheren Klassen erhöht sich auch zumeist die Schnurfassung. Um am Wasser verschiedene Schnüre zu benutzen, ist es sehr nützlich wenn die Rolle einen einfachen Spulenwechsel ermöglicht. So können verschiedene Schnüre auf Spulen gewickelt werden und je nach Bedarf schnell gewechselt werden.

3. Bremsen

Wie schon erwähnt wird bei manchen Angelmethoden ein Einsatz der Bremse zu keinem größeren Erfolg führen. Jedoch gibt es beim Fliegenfischen genug Situationen, bei denen ein Fang ohne Bremse kaum möglich wäre. Grundsätzlich gibt es die Ratschen- und die Scheibenbremse. Am Forellenteich reicht eine Ratschenbremse vollkommen aus, weil sie nur das Überdrehen der Rolle verhindern soll. Der große Teil der Rollen besitzt allerdings eine Scheibenbremse welche durch einen Drehknopf an der Rolle justiert wird. Bei großen Fischen wie schon Lachs, Hecht oder Meerforelle ist eine starke und gleichmäßig laufende Bremse sehr empfehlenswert um die Flucht des Fisches zu bremsen. Aber auch beim Fischen mit leichtem Gerät kann es durchaus Sinn machen, eine Scheibenbremse zu benutzen. Es könnten größere Fische beißen, die das Vorfach zum reißen bringen wenn der Drill mit der Hand als Bremshilfe durchgeführt wird. Bei solchen Situationen muss die Bremse dem Vorfach angepasst sein und der größere Fisch mit der Bremse gedrillt werden. Um eine Langlebigkeit zu garantieren, sollte das ganze Bremssystem gekapselt sein. Das verhindert, dass Dreck und Wasser ins Innere kommen und die Bremse beschädigen.

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4. Übersetzung

Die Übersetzung gibt das Verhältnis von Kurbel- und Spulenumdrehungen an. Eine Übersetzung von zum Beispiel 2,3:1 sagt aus, dass sich bei einer Kurbelumdrehung die Spule 2,3 mal dreht. Die meisten Fliegenrollen sind mit einem Direct Drive ausgestattet. Bei diesen gibt es keine Kurbel sondern einen kleinen Griff direkt an der Spule, welche nur eine direkte Übersetzung von 1:1 zulassen. Diese werden vor allem bei kleinen bis mittelgroßen Fischen wie Forelle, Barsche, Zander oder Hecht verwendet. Eine Direct Drive hat jedoch den Nachteil, dass sie die Kurbel inkl. Griff mitdreht, wenn der Fisch abzieht. Vom Verletzungsrisiko abgesehen, kann dem Fisch damit kaum Widerstand beim Abzug geboten werden.

Für solche Fälle wurde die Anti Reverse Fliegenrolle entwickelt. Die Kurbel dreht beim Abzug nicht mit und es kann wie bei der Multi- oder Stationärrolle gegengekurbelt werden. Dadurch zieht der Fisch nicht so leicht viele Meter Schnur und kann besser gedrillt werden. Ist der Schnurabzug jedoch stärker als die eingestellte Bremse, rutscht die Bremse einfach durch und der Fisch zieht weiter Schnur.

Und selbst für diesen Fall wurde eine spezielle Fliegenrolle entwickelt: Die Dual Mode oder auch Double Action genannt. Hier dreht sich die Kurbel beim Abziehen nicht mit, wenn jedoch gekurbelt wird, stellt sich die Rolle automatisch auf eine Direct Drive um und es kann ohne ein Durchrutschen der Bremse gekurbelt werden. Für das Fliegenfischen im Süßwasser reicht meistens eine einfache Direct Drive weil die Rolle primär als Schnurspeicher genutzt werden. Wer jedoch starke Salzwasserfische bezwingen möchte, sollte einen Blick auf die Anti Reverse oder Dual Mode Rollen riskieren.